Tauchen in Bali

Nach einer Rundreise durch Thailand, Hong Kong, Macau und Singapur kam ich endlich zum Tauchen nach Indonesien. Tropische Wärme schlug mir bei der Ankunft am Flughafen Ngurah Rai entgegen.

Mein Hotel befand sich in Kuta, im Süden Balis. Dieser Ort lässt sich mit Playa del Ingles oder El Arenal auf Mallorca vergleichen. Hier treffen sich alle, die zum Saufen, Surfen oder Sonnen nach Bali kommen. Die Stadt wird zwar von den Surfern beherrscht, aber auch Taucher aus aller Welt trifft man in den zahlreichen Pubs und Karaokeschuppen. Gleich am ersten Abend lernte ich einige lustige Taucher aus Norwegen kennen. Was das Tauchen anbelangt, so sollte man sich jedoch nicht so sehr im Süden der Insel aufhalten. Die Korallenriffe sind hier ziemlich stark beschädigt. Häufig findet man hier anstelle von Steinkorallen nur noch Fels. Außer den typischen Riffbewohnern, wie Doktorfisch, Trompetenfisch, Clownsfisch, Süßlippenfisch, Lippfisch und einem Blaurochen gab es nichts zu sehen. Die berühmten Tauchgründe Balis befinden sich im Norden der Insel. Und dort wollte ich natürlich so schnell wie möglich hin. Während der morgendlichen, mehrstündigen Fahrten, wenn der Boden noch mit Nebel bedeckt war und nur einige Palmenwipfel hervorschauten, lernte ich auch den schönsten Teil Balis kennen. Ich fuhr vorbei an Reisfeldern und Wasserbüffeln und die Silhouette des Vulkans Agnung bildete stets den Hintergrund dieser malerischen Kulisse.

Der wohl bekannteste Tauchplatz Balis ist das Wrack der „Liberty“ bei Tulamben. Der etwa 100 Meter lange Dampfer, Baujahr um 1910, diente im 2. Weltkrieg als leicht bewaffnetes Kriegsschiff, das unter amerikanischer Flagge kriegswichtige Rohstoffe transportierte. Die Japaner torpedierten das Schiff im Frühjahr 1942. Um wenigstens die Ladung zu retten, zog ein anderes Schiff den Kahn Richtung Bali und setzte ihn auf den Strand. Dort blieb er auch bis 1963, als der legendäre Ausbruch des Agnung bzw. die damit einhergehenden seismischen Bewegungen es fertig brachten, das Wrack zurück ins Meer zu befördern, wobei es ein wenig zerfiel. Ich betauchte das Wrack zweimal. Im Innern sah ich einige Zackenbarsche, Imperator- und Pfauenkaiserfische. Allerorts leuchteten rot die Schwärme der Fahnenbarsche. Unvergesslich wird mir der außergewöhnlich große Reichtum an Blaupunktrochen bleiben, die überall um das Schiff anzutreffen sind.

Ein weiterer interessanter Tauchplatz ist die Insel Menjangan im Westbali Nationalpark. Wir tauchten über die Riffkante hinweg entlang der senkrecht abfallenden Korallenwand. Hier war es ganz ruhig. Kein Schnarren, Pfeifen und Knacken wie auf dem Riffdach, wo die Papageienfische die Korallen abknabberten. Im Geäst der Korallenstöcke sah ich unzählige Muscheln, Krebse, Seesterne, Seeigel und Haarsterne. Neugierig begleitete uns ein großer Fledermausfisch. An der steil abfallenden Riffkante, die reichlich mit Schwämmen, Gorgonien und Weichkorallen bewachsen ist, werden oft Haie und Adlerrochen gesichtet. Als der Tauchguide plötzlich die Handfläche senkrecht auf seinen Kopf hielt, schaute ich in alle Richtungen. Die Sicht war sehr gut, doch ich konnte keinen Hai entdecken. Er hatte sich direkt über mir befunden. Auch beim zweiten Tauchgang sah ich weder Hai noch Adlerrochen, dafür zwei Barrakudas. Menjangan ist für mich aber auch ohne Haie der schönste Tauchplatz Balis.

Erstveröffentlichung in „Adlershofer Flossenblätter“ Ausgabe 24/1996.

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