Drei Jahre ist es nun her, als Roland und ich das erste mal eine Schülergruppe des Cousteau-Gymnasiums zu ihrer Projektfahrt „Tauchen“ nach Kaş in die Türkei begleiteten. Im vergangenen Jahr kamen Julia, Sylvio und Kerstin hinzu. Neugierig von unseren Berichten folgten im Herbst Tjado und Uta. Wir alle wurden „Wiederholungstäter“ und fuhren in diesem Jahr wieder nach Kaş, wieder zu Süleyman in die Hilal-Pension und zu Erol von der Tauchbasis Sundiving - diesmal jedoch mit Horst im Gepäck…
Der kleine Fischerort ist bisher vom Massentourismus verschont geblieben. Sowohl über als auch unter Wasser findet man Relikte aus längst vergangen Zeiten. Kaş und seine Umgebung genießt zu Recht den Ruf eines wahren Taucherparadieses. Üppig bewachsene Riffe, imposante Steilwände und ein beachtlicher Fischreichtum bestimmen die mehr als 40 Tauchplätze rund um den Ort. Die Bootsausfahrten führen zu abwechslungsreichen Plätzen mit unterschiedlichen Tiefen und Schwierigkeitsgraden.
Hier trifft man auf Brassen, fette Zackenbarsche, Barrakudaschwärme und Bernsteinmakrelen, auf elegant dahingleitende Adler- und Stechrochen sowie auf winzige bunte Nacktschnecken. Mit etwas Glück trifft man auf Delphine, Robben und Schildkröten.
Tauchgänge vor Kaş gleichen einer Zeitreise in die Vergangenheit. Überall findet man große Amphoren, manche davon einen Meter dick und zweitausend Jahre alt. Die Amphorenfelder dienen nicht selten als Unterschlupf für Muränen und Oktopusse.
Wir tauchten sowohl an antiken als auch an jüngeren Wracks. Doch der Abstieg in die tiefste Vergangenheit, zum 3.400 Jahre alten Wrack der „Uluburun“ ist leider versperrt, denn dort, wo Archäologen unter anderem das goldene Siegel der ägyptischen Königin Nofretete fanden, herrscht Tauchverbot.
Der bekannteste und zugleich anspruchvollste Tauchplatz ist das Flugzeugwrack eines italienischen Bombers, der hier während des Zweiten Weltkriegs abstürzte. Das Flugzeug liegt am sanft abfallenden Meeresboden und taucht langsam aus dem Blau in 63 Metern Tiefe auf. Gut erkennt man die drei Motoren mit ihren Propellern.
Noch näher an die Gegenwart bringt uns das 60 Meter lange Wrack des 1956 gesunkenen Baumwollfrachters, der heute in einer Tiefe zwischen 25 und 40 Metern liegt. Das Vorschiff ist stark zerstört, das Achterschiff hingegen gut erhalten. Rings um das Wrack ragen herrlich bewachsene Steilwände eindrucksvoll in die Höhe.
Tauchen ist aber längst nicht alles. Trotz der wunderschönen Tauchplätze lässt das Alternativprogramm in Kaş und Umgebung sehr viel Platz für Individualisten. Angefangen von einer Klettertour in der atemberaubenden Schlucht von Saklikent, dem Baden in der Sandbucht von Kaputaş, dem Umherstöbern zwischen antiken Ruinen von Xanthos, dem Besuch von Myra mit seinen alten Felsengräbern bis zu einem wunder-schönen Barbecue-Abend am Strand – Kaş bietet für jeden etwas. Kerstin bringt es auf den Punkt, wenn sie schreibt: „Ferien in Kas, das sind Wracks, Schildkröten, Delphine, Nacktschnecken, Höhlen, 50 Meter, 60 Meter…, Robben, Gräber, Schluchten, Berge, Schnee, Folklore, Meer, Ausbildung, Amphoren, Freunde, Wasserfälle, Segelboote, Sonne, Fliegen, Schwimmen, Tauchen, Minarette, Melonen, Wasserpfeife, Efes, Raki, Hamam, Bauchtanz, Amphitheater, Zedern – SPASS!“
Erstveröffentlichung in „Adlershofer Flossenblätter“ Ausgabe 61/2005.
