Das Mandela-Benefiz-Spiel letzten Mittwoch war leider nicht so toll. Mandela war nicht da. Pele hat zu Beginn nur eine kurze Rede gehalten. Danach kam eines der langweiligsten Fußballspiele, die ich wohl je gesehen habe. Der Ball wurde Müde von einer Hälfte zur anderen geschoben. Eine Vielzahl von unterirdisch schlechten (Fehl-)Pässen und unspektakulären Toren durchzog das gesamte Spiel. Die meisten Spieler waren zwar schon (weit) über 40 Jahre alt, ein wenig mehr Einsatz wäre aber trotzdem wünschenswert gewesen.
Umso erfreulicher war es, dass im Stadion dennoch eine super Stimmung geherrscht hat. Zum Teil lag das daran, dass vor dem Spiel an die etwa 25.000 Zuschauer schätzungsweise 20.000 krachmachende Tröten verteilt wurden. Mit denen haben dann alle rumgeblasen und das Stadion zum Dröhnen gebracht.
Wegen der WM 2010 müssen wir uns übrigens keine Sorgen machen! Das Spiel fand in einem der WM-Stadien statt. Es haben schon mal die Polizisten einen Probeeinsatz durchgeführt, die auch 2010 dabei sein sollen. Der Verkehr rund um’s Stadion ist natürlich völlig zum Erliegen gekommen. Es war ja schließlich halb voll. Dafür haben die Polizisten fleißig geholfen die Tröten zu verteilen. Der wohl häufigste Dialog bei den Metalldetektoren bei der Einlasskontrolle:
Polizist: „Bei Ihnen hat es gepiept.“
Zuschauer: „War bestimmt der Gürtel.“
Polizist: „Ok, viel Spaß!“
Im Stadion selber wird das mit den Sitzplätzen schließlich auch nicht so eng gesehen. Hauptsache man sitzt zumindest in der Nähe von seinem Block. Treppen und Geländer sind auch gern genommene Sitzgelegenheiten. An sich alles sehr entspannt. Es darf nur nichts passieren. Das Wissen über diese „strengen“ Sicherheitsvorkehrungen konnten wir aber ein paar Tage später noch gut nutzen…
Ein paar Tage später war Samstag. Ein absoluter Höhepunkt für alle Rugbyfans, zu denen ich mich seit kurzem auch zähle. Am Morgen, leider schon um 9.30 Uhr, fand das Finale vom „3 Nations Cup“ statt. Da spielen Südafrika, Neuseeland und Australien gegeneinander. Nach nur 4 Stunden Schlaf und einem minutenlangen Kampf mit meinem inneren Schweinehund, der am Samstagmorgen natürlich lieber liegen bleiben und den Rausch ausschlafen wollte (keine weiteren Einzelheiten!), saß ich also Punkt 9.30 Uhr im Cafe um die Ecke. Allein durch den witzigen „Eröffnungstanz“ der Neuseeländer wurde das frühe Aufstehen schon belohnt. Aber auch das Spiel war ein Knaller! Eigentlich war es kein Spiel, sondern eine Schlacht! Beide Mannschaften haben sich keinen Zentimeter auf dem Spielfeld geschenkt. Mit voller Kraft und ohne Schutzkleidung sind die Spieler immer wieder aufeinander zu und gegeneinander gerannt und haben intensiv getestet, wer als erstes kaputt geht. Bereits nach 10 Minuten gab es die erste Schlägerei. Da jeder Spieler gefühlte 2,30 m groß ist und aus ca. 1.000 kg Muskelmasse besteht, hält sich der Schiedsrichter natürlich immer fein raus und wartet bis die Mannschaften alles untereinander geregelt haben. Ich habe noch nie so viele blutige Spieler bei einem Spiel mit „Regeln“ gesehen. Auf jeden Fall war es ein absolut spannendes Finale! Bis weit in die zweite Halbzeit hinein lagen beide Mannschaften gleich auf. Schließlich konnte sich Neuseeland aber absetzen und hat letztlich gewonnen.
Nach dem Knaller am Vormittag gab es noch ein weiteres, diesmal nationales Spiel am Nachmittag. Die Kapstädter Heimmannschaft hat gegen ihre Erzrivalen gespielt. Das Spiel fand im selben Stadion wie das Mandela-Benefiz-Spiel statt. Ich habe zwei „VIP“-Karten von einem Freund unseres Anwaltes bekommen. Um nicht zu ausschweifend zu werden: Es waren „kleine“ VIP-Karten, die wir auf Grund unseres Wissens vom letzten Mittwoch zu „großen“ VIP-Karten gemacht haben. Wir haben letztlich in einer schönen Loge auf großen gepolsterten Sitzen in der ersten Reihe (der Loge) gesessen. Während des Spiels hätte man sich jederzeit ein kühles Bier aus dem Kühlschrank nehmen oder alle möglichen Getränke ordern können. Das haben wir uns aber nicht getraut. Nur bei dem leckeren Buffet in der Halbzeitpause konnte ich nicht widerstehen… Das Spiel war gut, aber natürlich kein Vergleich zum Finale am Vormittag. Die Atmosphäre im Stadion und das „Franz-Beckenbauer-Gefühl“ in der Loge waren schon ein Erlebnis. So könnte ich mir fast jeden Sport angucken.
Am Sonntag sind wir zum Kap der Guten Hoffnung gefahren. Die ganze südliche Kaphalbinsel ist mittlerweile ein Nationalpark. Wie die anderen 12 Millionen Touristen an diesem Tag sind wir auch zu dem alten Leuchtturm gelaufen. Unser Kapstädter Freund und ich sind auch noch an Absperrungen und Stacheldraht vorbei zum neuen Leuchtturm gegangen. Der liegt etwas weiter unten fast direkt am Meer. Der neue Leuchtturm ist einer der leuchtstärksten der Welt. Vor dem Leuchtturm treffen der Atlantische und der Indische Ozean aufeinander. Durch die wenig einladende Strecke zum neuen Leuchtturm, sind dort kaum Touristen und man hat ein wenig seine Ruhe und kann alles auf sich wirken lassen. Dort an den Klippen zu stehen ist doch ziemlich beeindruckend.
Das berühmte Schild „Cape of Good Hope“, hinter dem sich jeder anständige Tourist selbstverständlich fotografieren lässt, haben wir erst nach 5 Stunden gefunden. Das liegt nicht - wie gedacht - direkt am Kap, sondern an einem extra dafür eingerichteten Parkplatz weiter nördlich. Um das herauszufinden, sind wir zuvor beinahe alle Wanderwege abgelaufen die es am Kap gibt. Es war aber schön, sich mal ein bisschen zu bewegen.
Nach einigen wärmeren Tagen schlägt das Wetter leider gerade wieder um. Der Wind wird stärker und bringt viel Regen mit. Meistens regnet es hier so kräftig, dass man das Gefühl hat die Regentropfen schlagen gleich durch die Decke oder das Haus wird weg geweht. Das kann natürlich auch an der leichten Bauweise liegen. Bei kräftigerem Regen stehen in ziemlich allen Gebäuden Eimer rum, die das von der Decke tropfende Wasser sammeln.
Das Positive an dem Wind ist, dass für Freitag bis zu 10 Meter hohe Wellen angekündigt wurden. Es gibt also wieder was zu tun für die Touristen!
