Hier ist das Lächeln zu Hause

Hier ist das Lächeln zu Hause. – Nein, ich bin nicht in Asien, sondern an Bord der AIDAcara auf einer Reise rund ums westliche Mittelmeer. Die Werbung des Kreuzfahrtveranstalters enthält ein Versprechen, an dessen Erfüllung mit allen Mitteln gearbeitet wird. Liebevoll bis ins kleinste Detail ausgestattet, bietet mein neues Zuhause auf See alle erdenklichen Annehmlichkeiten. Zu Hause ist, wo Sie mit AIDA sind, lautet das Motto. Von Mallorca über Malta nach Tunesien sollte die Reise gehen, dann weiter Richtung Sizilien, um meinem ehemaligen Chef Wolfgang von der Tauchbasis Sicilia-Divers einen Kurzbesuch abzustatten, und von hier nach Rom, Korsika, Cannes, Valencia und wieder zurück nach Mallorca.

Die Werbung verspricht nicht nur, dass man auf der Reise Spaß haben kann, sondern dass man ihn haben wird…auch unter Wasser. Drei Tauchlehrer und eine Tauchlehrerin standen bereit, um uns Gästen die schönsten Tauchplätze des westlichen Mittelmeeres näher zu bringen. Der Empfang war freundlich, das Einchecken mit Kontrolle des Ärztlichen Attestes und des Brevets verlief schnell und komplikationslos. Wie sich herausstellte, gehörte Tauchlehrer Marco laut Juli-Ausgabe der „unterwasser“ zur engeren Wahl der „Sexiest Tauchlehrer Alive“, was die weiblichen Gäste veranlassen sollte, einen Tauchkurs zu besuchen. Getaucht wird in Zusammenarbeit mit regional ansässigen Tauchbasen, jedoch mit schiffseigener Ausrüstung, die in einem sehr guten Zustand ist. Sämtliche Tauchgänge werden von AIDA-Tauchlehrern begleitet. Von Massenabfertigung kann keine Rede sein. Beim ersten Tauchausflug auf Malta war ich sogar der einzige Gast. Es folgte ein entspannter Tauchgang in der St. Pauls Bay, nicht zu tief, nicht zu lang, ganz „easy“. Sicherheit wird hier groß geschrieben.

Die „Fun and Easy“-Einstellung hat aber auch ihre Kehrseite. Viele interessante Tauchplätze bleiben dem AIDA-Taucher verschlossen, da sie entweder zu tief sind oder zu viel Strömung herrscht und für Taucher, die eigenverantwortliches Tauchen gewohnt sind, kann das Sicherheitsbestreben der Tauchlehrer leicht nervig werden. So entdeckte ich vor Cannes an einer schönen, mit roten Gorgonien bewachsenen Steilwand in einer Höhle eine Muräne und einen Congeraal, die von Dutzenden kleinen roten Putzergarnelen ihre tägliche Maniküre erhielten. Dieser Moment wurde lediglich durch ein ständiges Klappern gestört, mit dem der Tauchlehrer mir signalisieren wollte, dass ich schleunigst zu ihm aufschließen sollte. Tauchlehrer sind ja neuerdings mit Glöckchen, Rasseln, Tröten und anderen Geräuschmachern ausgestattet, um ihre anvertrauten Schäfchen im Zaum zu halten und sie wieder sicher zur Oberfläche zu geleiten. Auch wenn es gut gemeint ist, so möchte ich beim Tauchen meine Ruhe und nicht im Gänsemarsch durchs Riff geschleust werden. Aber alles für den Gast, ganz nach dem Motto: Halten Sie die Klappe und lassen Sie uns Profis nur machen. Was wahre Urlaubsfreunden sind und was nicht, wissen wir immer noch am besten. Dieses Phänomen treffe ich (leider) auf nahezu allen amerikanischen Tauchbasen an (die AIDA-Schiffe gehören dem amerikanischen Carnival-Konzern). Es soll sogar Tauchguides geben, die sich „Follow me“ auf ihre Flossen geschrieben haben.

Aber jeden Morgen in einem anderen Hafen aufzuwachen, neue Tauchplätze erkunden und abends an der Reling stehen und im Sonnenuntergang eine Gruppe Delphine zu beobachten, entschädigt für alles. Auf AIDAsehen!