Grüße aus Kapstadt

Kapstadt - 1. Tag

Nach einem ewig langen Flug bin ich heute morgen kurz nach 8 Uhr in Kapstadt gelandet. Da sollte ich eigentlich von Adam, meinem Vermieter, mit Hund abgeholt werden. Leider waren weder Adam noch irgendein Hund zu sehen. Schlauerweise habe ich mir seine Telefonnummer nicht aufgeschrieben und wusste nicht mal meine künftige Adresse. Zum Glück habe ich Daniel in München erreicht. Der hat mir die Handynummer von Adam ergoogelt und rüber gesimst. Adam hatte mich einfach mal vergessen! Bis er dann endlich am Flughafen war, kannte ich das Gebäude wie meine Westentasche und alle dort rumhängenden, kaum aufdringlichen Taxifahrer persönlich.

Das Haus besteht aus 6 Zimmern und liegt am Rand vom Zentrum. Ich bin (zumindest bislang noch) als letzter angekommen und habe so erstmal das kleinste Zimmer mit wunderschönem Ausblick auf eine Mauer (ca. œ Meter vor dem Fenster) bekommen. Einziger Wermutstropfen: Ich habe einen Kamin! Der scheint auch bitter nötig zu sein. Die Gebäude sind nicht nur schlecht, sondern überhaupt nicht gedämmt. Heizungen gibt es nicht. Nachts wird es hier momentan aber bitterkalt. Wir haben ja schließlich Winter. Nach dieser Nacht werde ich also entscheiden, ob ich hier bleibe oder in ein anderes Zimmer umziehe, das morgen frei wird.

Sofern ich bleibe, müsste ich morgen Holz kaufen gehen. Es ist zwar erst kurz nach 6, aber schon dunkel. Da haben einerseits die meisten Läden zu. Andererseits soll man da nicht mehr draußen rumlaufen. Das habe ich bislang nur im Reiseführer gelesen. Gestern wurde jedoch einer meiner Mitbewohner schon am Nachmittag auf offener Straße hier um’s Eck mit einem Messer „nach Essen gefragt“. Dabei leben wir in einer der sichersten Gegenden in Kapstadt. Man sollte also immer etwas Geld dabei haben…

Kapstadt - 2. Tag

Ich habe Holz gekauft. Die Nacht war saukalt!!! So ganz ist die Zimmerfrage damit aber noch nicht geklärt. Das im Supermarkt teuer gekaufte Holz ist ziemlich feucht. Sofern sich überhaupt ein Feuer entfachen lässt, dient dies eher dazu das Holz zu trocknen anstatt das Zimmer zu erwärmen. Die meiste Zeit qualmt, zischt und knistert es daher nur vor sich hin.

Im Haus haben wir noch einen Gasbrenner. Der wird schnell heiß und sorgt auch für angenehme Wärme. Somit ist das Ding ziemlich begehrt und wandert permanent von Zimmer zu Zimmer. Wie es der Name aber schon vermuten lässt, wird die ausgestrahlt Wärme des Gasbrenners von einem weniger angenehmen Gasgeruch begleitet. Also leider auch nicht ideal. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt.

Abgesehen von der derzeit niedrigen Temperatur und dem Regen hat Kapstadt natürlich auch seine schönen Seiten. So waren wir heute morgen nett Frühstücken. Für 5 €wird man mit allem Drum und Dran super satt. Nebenbei lief Rugby. Ein lustiger Sport! Vor allem der Eröffnungs“tanz“. Etwa 20 extrem muskulöse Typen schreien und gucken böse in Richtung Gegner, wobei sie rumhüpfen wie bei einer Gymnastik-Tanz-Vorführung. Das Spiel besteht dann scheinbar darin, wie wild dem Ball hinterher zu rennen und witzige Menschenhaufen zu bilden. Klasse! Nach dem Frühstück sind wir an die Waterfront gefahren. Der ehemalige Hafen wurde dort zum Teil zu riesigen Shopping Malls und einer Vielzahl von „Fressbuden“ umgebaut. Aufgrund des Regens haben wir den halben Tag in den Läden verbracht. Ich kann jetzt bestätigen, dass Klamotten in Südafrika billiger sind als in Deutschland. :)

Kapstadt - 5. Tag

Mittlerweile bin ich in das freigewordene Zimmer umgezogen. Wenn schon frieren, dann wenigstens in einem schönen Zimmer! Der Raum ist mindestens doppelt so groß mit Hochbett, Schrank und Couch. Purer Luxus! Vielleicht werde ich da noch untervermieten. ;)

Inzwischen haben wir auch unseren ersten Ausflug gemacht. Ein Südafrikaner, den wir hier kennen gelernt haben und seine Cousine haben uns mit zu seinem „Lieblings-Ausflugs-Ort“ etwa 70 km vor Kapstadt genommen. Dort haben wir in einer Bar direkt am Meer Cocktails geschlürft. Danach sind wir zu einem weiteren Strand in Kapstadt gefahren. Zur Abwechslung mal wieder in eine Bar, es gab Cocktails. Südafrikaner trinken definitiv viel Alkohol! Auf jeden Fall gibt es hier unzählige schöne Strände! Nur leider liegt die Wassertemperatur derzeit bei 12°C. Die Kapstädter gehen trotzdem rein.

Das Nachtleben ist – wie auch sonst noch vieles hier – recht „getrennt“. In den meisten Clubs sind entweder nur Schwarze oder nur Weiße. Dafür kommt fast überall die gleiche Musik: Reggae oder Black. Es lässt sich aber dennoch ganz gut feiern!

Gestern hatten wir unseren ersten Arbeitstag. Unser Anwalt ist wirklich ganz nett. Wir müssen schon ordentlich mitarbeiten, es genügt jedoch, wenn 2 von uns 3en hingehen. Es bleibt also genug Freizeit! Es gibt hier eine Vielzahl an deutschen Mandanten. Von daher sind viele Dinge auf Deutsch zu bearbeiten. Offizielle Schreiben und die restlichen Mandanten werden natürlich in Englisch bearbeitet. Also auch eine ganz gute Mischung. Was für konkrete Arbeit auf uns zukommt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Ab morgen haben wir auch ein Auto. Dann sind wir endlich etwas flexibler und werden einen Ausflug nach dem anderen starten! Wir sind hier mittlerweile 6 Deutsche, davon 4 Referendare. Ich bin der einzige Mann. Hahn im Korb zu sein ist manchmal schön, manchmal nicht. Mehr will ich dazu nicht sagen. ;)

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