Inzwischen habe ich meine erste Arbeitswoche hinter mich gebracht. Die Arbeit ist recht angenehm. Obwohl unser Anwalt deutsch spricht, verstehen wir ab und zu noch nicht so ganz, was er von uns will. Das liegt aber wohl in erster Linie daran, dass in Südafrika alles ein wenig anders läuft und dementsprechend auch anders gearbeitet werden muss.
Nett ausgedrückt sind die Leute hier alle etwas lockerer. Ein gutes Beispiel ist unser delivery boy, der alle möglichen Botengänge für die Kanzlei erledigt. Sobald der mal eine Weile nichts zu tun hat, schläft er einfach ne Runde im Büro. Da kann man noch was Lernen! Bisher macht die Arbeit aber im Großen und Ganzen Spaß. Zudem haben wir von unserem Büro in einem der Kapstädter Wolkenkratzer einen fantastischen Blick über die Stadt und auf den Tafelberg.
Nach der „harten“ Arbeitswoche waren wir auf einer house party bei dem Kapstädter, der uns letztes Wochenende schon mit auf einen kleinen Ausflug genommen hat. Ich glaub der will was von mir. Vielleicht aber auch eher von meiner Mitbewohnerin, die er ständig anruft…
Sein Haus, eine bunt gemischte WG, liegt eigentlich nicht weit weg von unserem. Dennoch hatten wir so einige Probleme, uns bei Nacht auf Kapstadts Straßen zurechtzufinden. Stimmt es eigentlich, dass Frauen grundsätzlich keine Straßenkarten lesen können? Ich bin fein raus, ich musste ja fahren. Apropos, seit ein paar Tagen bin ich stolzer Besitzer eines alten(!) Mercedes E 230. Damit sind wir wesentlich flexibler und bei Einbruch der Dunkelheit nicht mehr so an unser Haus gebunden. Bislang fährt die alte Karre auch super!
Auf dem Weg zur Party wollten wir eigentlich noch ein paar Bier und Wein holen. Allerdings darf in Südafrika nach 20 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden. Man muss sich also schon rechtzeitig eindecken oder – wie wir später erfahren haben – bei bekannten „privaten“ Adressen vorbeifahren. Da ist es dann nur ein wenig teurer. Schließlich war aber auch so auf der Party mehr als genug Alkohol vorhanden. Hatte ich schon erwähnt, dass Kapstädter viel trinken?
Es war auf jeden Fall schön, ein paar „Einheimische“ kennen zu lernen. Ein wenig Alkohol hilft dabei über die ein oder andere Sprachbarriere hinweg! Ich habe gelernt, dass die meisten hier 3 Sprachen sprechen: Englisch, Afrikaans und Shit. Wir haben uns dann auf letzteres geeinigt. Nächstes Wochenende wollen wir unsere hoch philosophischen und tiefgründigen Gespräche bei einer Mottoparty fortsetzen. Das Motto: Superhelden. Das wird bestimmt ganz witzig.
Heute haben wir erstmal ausgeschlafen, um uns dann am frühen Nachmittag auf den Weg zu unserem Anwalt zu machen. Ja, am Wochenende! Heute war wieder ein Rugbyspiel, Südafrika gegen Neuseeland. Unser sportfanatischer Anwalt sieht sich solche Spiele immer zusammen mit Freunden in einer Sportsbar an und hatte uns eingeladen dort auch hinzukommen. Das Spiel begann um 3, nur leider nach neuseeländischer Zeit. Als wir ankamen war das Spiel somit leider schon vorbei. Dafür hatte unser Anwalt, vor allem aber manch einer seiner Freunde, schon ein oder zwei Bier intus. Es war eine ganz nette Runde und wir haben unter anderem ein paar deutsche Auswanderer kennen gelernt.
Um den Sonnenuntergang zu sehen, sind wir später noch auf den Signal Hill gefahren. Der Signal Hill ist nur 350 m hoch. Dennoch war es oben (endlich mal wieder) schweinekalt. Zum Glück dauert der Sonnenuntergang hier ungelogen nur 5 Minuten.
Mittlerweile sind wir wieder zu Hause, haben gegessen und die Mädels sind ins Bett. Ist ja schließlich auch schon 21 Uhr! Ich „muss“ noch ein wenig wach bleiben, da die Waschmaschine noch läuft und ich später die Wäsche aufhängen darf. Dafür werde ich aber immer nett bekocht und konnte mich bislang bis auf ein einziges Mal immer geschickt vorm Abwaschen drücken.
Das Essen ist hier übrigens super gesund! Es gibt wahnsinnig viel Obst, Gemüse und Meeresfrüchte. Ab und zu wäre auch mal ein Schnitzel schön. Bei zwei Vegetariern im Haus sieht’s da aber schlecht aus…
Wenn morgen wieder schönes Wetter ist, fahren wir zur Boulders Bay. Dort leben unzählige Pinguine und warten nur darauf, von Touristen fotografiert zu werden. Tun wir ihnen den Gefallen!
