Ein Stück Karibik zu erleben, davon hatte ich schon lange geträumt - in kristallklarem Wasser durch üppige Korallengärten zu tauchen oder einfach nur faul im Schatten der Kokospalmen zu liegen. Kaum hatten die Semesterferien begonnen, da saßen Tina und ich im Flieger Richtung Dominikanische Republik.
Für Taucher ist diese Gegend besonders wegen der 3.000 Buckelwale, die sich hier jährlich zur Paarung treffen, interessant. Da es keine Auflagen gibt, kann der Taucher mitten zwischen den Kühen und Neugeborenen sein Unwesen treiben. Dadurch ist jedoch 1993 erstmals ein offensichtlich desorientiertes schwangeres Buckelwalweibchen an der Nordküste verendet und schon mehrfach wurden Tiere durch die Schiffsschrauben der Boote getötet. Als erster Reiseveranstalter strich deshalb NUR-Touristik die Walausflüge aus dem Programm. Dass die Dominikanische Republik auch ohne spektakuläre Walbeobachtung ein wunderschönes Tauchreiseziel sein kann, haben Tina und ich erlebt.
Die Sicht beträgt meistens um die dreißig Meter, das Wasser ist angenehm warm (28 Grad) und schon wenige Flossenschläge vom palmengesäumten Strand entfernt stehen die ersten Korallenstöcke. In Sosua befinden sich mehrere deutschsprachige Tauchbasen, die sich um die Gunst der Taucher streiten. Wer es nobel und luxuriös liebt, sollte zur Northern Coast Diving School gehen, ich dagegen bevorzugte die lustige und familiäre Atmosphäre in der Tauchschule Merlin. Wo am nächsten Tag getaucht wird, kann man hier mit den Guides Udo und Jürgen bei Aprés-Diving selbst bestimmen. Udo erzählte interessante Geschichten über Mantas, Barrakudaschwärme oder über eine wenig besuchte Riffwand östlich von Sosua, an der er schon einmal einen riesigen Adlerrochen gesehen hat, so dass der nächste Tauchgang schnell geplant war. Udo konnte nicht versprechen, ob er die Stelle wiederfindet.
Aber wir hatten Glück, denn das Meer war ruhig und so konnte er an der Färbung des Wassers erkennen, wo sich die Riffwand befindet. Ich sprang ins Wasser und sank gemütlich zur Riffkante, die sich in 20 m Tiefe befindet und steil bis auf 40 m abfällt. Die Wand ist stark mit großen Schwämmen, Fächer- und Hirnkorallen bewachsen, hier tummelten sich Falterfische, Kaiser- und Trompetenfische, kleine Zackenbarsche und ich sah hier auch meine erste Muräne. Obwohl mein Blick immer wieder ins tiefe Blau des offenen Wassers wanderte, wurde meine Hoffnung, einen großen Rochen zu erspähen, leider nicht erfüllt. Dieser Tauchplatz war jedoch so interessant, dass ich ihn einige Tage später noch einmal besuchte. Diesmal war auch Tina mit. Wieder sah ich die Muräne, die mit ihrem schlangenartigen Körper aus der Riffspalte schaute. Der Tauchgang war fast beendet, da tauchte wie aus dem Nichts ein großer Schatten auf. Anfangs war nur die Silhouette eines kräftigen, gedrungenen Körpers zu erkennen. Die Konturen wurden immer deutlicher und schon bald schaute ich auf das wulstige Maul eines etwa 1 ½ m langen „Zackis“. Da wir schon fast eine Stunde im Wasser waren und die Computer wie wild zu schreien begannen, mussten wir leider auftauchen. Zum Aprés-Diving ging es dann direkt in den Hotelpool, um bei cuba libre und pina colada über dieses tolle Taucherlebnis zu berichten.
Die nächsten Tage waren erst einmal tauchfrei. Wir fuhren zu den Mangrovenwäldern der Lagune Gri-Gri bei Rio San Juan und nach Puerto Plata ins Amber (Bernstein-) Museum, wo der Originaleinschluss des Insekts zu sehen ist, den der alte Hammond im Film „Jurassic Park“ auf seinem Krückstock hat. Gleich nebenan befindet sich ein Museum über die Ureinwohner Hispaniolas, die friedlichen Taino-Indianer, die immer wieder von den nur ein paar Inseln weiter hausenden kriegerischen Kariben heimgesucht wurden und dann von ihnen verspeist wurden. Unbedingt sehenswert ist eine nächtliche Voodoo-Show, denn der Voodoo-Kult ist unter der dominikanischen Bevölkerung noch stark verbreitet, obwohl er von der katholischen Kirche totgeschwiegen wird.
Nach soviel Kultur wurde es wieder Zeit fürs Tauchen. Am nächsten Tag ging es mit dem Boot Richtung Flughafen Puerto Plata zu den sogenannten pyramids, einem Unterwassercanon mit Schluchten, Überhängen, Grotten und Tunneln. Die Sicht war hier nicht so besonders, aber reichlich Entschädigung gab es durch die herrliche Unterwasserlandschaft. Bunte Fische, Korallen, Schwämme, wohin das Auge blickt. Mache Eingänge waren so schmal, dass ein etwas kräftiger gebauter Taucher nicht durchpasste und stecken blieb. In den Höhlen sah ich meistens Soldatenfische, die mich mit ihren großen Glotzaugen anstarrten, wenn der Lichtkegel der Lampe sie traf, aber auch eine süße Babymuräne. Unangenehm kann es jedoch werden, wenn man in einer engen Höhle die große Mama-Muräne trifft…
Und so gäbe es eigentlich noch jede Menge zu berichten, aber schließlich soll dieser Bericht ja auch nicht zu lang werden. Zusammenfassend bleibt uns nur zu sagen: Ein sehr schöner und empfehlenswerter Urlaub!
Erstveröffentlichung in „Adlershofer Flossenblätter“ Ausgabe 28/1997.
