Im Oktober unternahmen Tjado, Andreas und ich gemeinsam mit Erol von der Tauchbasis Sundiving einen Tauchgang zum „Flying Fish“. Dieser Tauchplatz ist laut einer Wahl bei türkischen Tauchern und Tauchschulen der „Tauchplatz Nr. 1“ in der gesamten Türkei. Es handelt sich dabei um das Wrack eines dreimotorigen Mittelstreckenbombers der italienischen Luftwaffe vom Typ Saviora-Marchetti SM 79 I Sparviero. Die Maschine liegt zwischen dem türkischen Kas und der griechischen Insel Meis in einer Tiefe von 61 Metern.
Die Sparviero („Sperber“) war der bekannteste italienische Bomber des Zweiten Weltkriegs. Er wurde aus der achtsitzigen Passagierversion SM 81 entwickelt, die sich aber bis auf den MG-Stand auf der Rumpfoberseite, eine Gondel für den Bombenschützen an der Rumpfunterseite und das erhöhte Cockpit – das der SM 79 den Spitznamen „Der buckelige Bomber“ eintrug – strukturell nicht von der Transportversion unterschied. Die Maschine maß in der Länge 15,80 m, hatte eine Spannweite von 21,20 m und besaß drei Alpha Romeo Sternmotoren mit je 780 PS. Der „Sperber“ flog als Höhen- und Torpedobomber, Schlachtflieger und Transporter und wurde auch als Aufklärer eingesetzt. Über die Geschichte des Flugzeugwracks von Kas und seiner Besatzung ist leider nichts bekannt.
Der Tauchgang am Wrack war für uns eine faszinierende Herausforderung. Wer hier aber ein komplettes Flugzeugwrack erwartet kommt ein paar Jahre zu spät. Nur noch die drei Propeller erinnern an das Flugzeug. Das Wrack ist jedoch schön bewachsen und wir begegneten mehreren kapitalen Zackenbarschen und dösenden großen Skorpionsfischen. Der Tauchgang endete dann auf dem Riffdach des A-Riffs zwischen Schwärmen von Mönchsfischen und Brassen, die ab und zu von einigen jagenden Stachelmakrelen gestört wurden.
Erol erzählte mir später, dass sich hartnäckig Gerüchte halten, nach denen ein weiterer Bomber vor Kas abgestürzt ist. Seine Suche nach dem Wrack blieb bisher erfolglos, doch er will weitersuchen. Vielleicht hat er es ja bis zu unserem Besuch im nächsten Jahr gefunden.
Erstveröffentlichung in „Adlershofer Flossenblätter“ Ausgabe 65/2007.
